Bionik - Tagung - BG/BRG Kufstein

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Die Natur als Lehrmeister

 

Bionik-Fachtagung an der FH Kufstein
Insgesamt 16 Schüler der 6D und 7C besuchten Anfang Februar die Bionik-Fachtagung der Fachhochschule Kufstein. Experten von Universitäten und Unternehmen aus Deutschland, London, Wien, Graz, Innsbruck und Dornbirn sowie per Videokonferenz sogar aus Melbourne gaben topaktuelle Einblicke in die Bionik-Forschung.
 
Bionik – eine Wortschöpfung aus Biologie und Technik – untersucht wie kreative Lösungen der Natur auch in der menschlichen Technik eingesetzt werden können. Klassische Beispiele sind der Lotusblüteneffekt des Regenwasser einfach abperlen lässt oder auch der Reißverschluss. Neue Forschungsgebiete sind z.B. die Suche nach innovativen Klebesystemen durch Prof. Peter Ladurner von der Universität Innsbruck. Er untersucht seit  über 10 Jahren den im Sandstrand der Adria lebenden Plattwurm Macrostomum lignano und sein Potenzial für die Entwicklung von Bioklebstoffen. Solche gewebeverträgliche und im feuchten Milieu funktionierende Klebstoffe werden in der Medizintechnik oder Wundheilung dringend benötigt.
Der namibische Nebeltrinker-Käfer war für Johannes Edlinger, dem Leiter des Forschungszentrums der FH Vorarlberg Vorbild in der Entwicklung laser-basierter Techniken für hydrophil-hydrophobe Oberflächen. Damit sollen beschlagene Gläser der Vergangenheit angehören. Ein leidiges Problem das Brillenträger oder Kameraleute gut kennen.  An der TU Graz widmet sich Daniel Tinello der Gestaltung von Zukunftsfabriken. Seine Vorbilder für flexible oder verkürzte Transportdistanzen sind u. a. Ameisenstraßen und Spinnennetze.
 
 
Das Automatisierungsunternehmen Festo hat sich die Chamäleonzunge näher angeschaut und einen computergesteuerten Greifer entwickelt, der wie sein natürliches Vorbild Gegenstände unterschiedlicher Größe sanft umschließt und an anderer Stelle wieder abgibt. Ein anderes Greifer-System ist dem Elefantenrüssel bzw. dem Krakenarm nachempfunden. Ein Highlight waren auch die von Festo entwickelten Prototypen von Quallen, Ameisen, Vögeln, Libellen und sogar eines Schmetterlings. Ihr Känguru-Roboter kann wie das lebende Tier die Sprungenergie zurückgewinnen, speichern und für den nächsten Sprung nützen. Dabei wurde auch klar, wie viele Wissenschafter und Techniker unterschiedlichster Ausbildung an jedem einzelnen Projekt über viele Monate zusammenarbeiten.
 
 
Bei aller Begeisterung über die Erfolge ihrer Arbeit zeigten sowohl Forscher als auch Unternehmer eine gewisse Demut vor den Leistungen der Natur und waren sich einig, dass alle von ihnen erkannten Lösungen in der Natur noch „besser“ funktionieren. Alle Sprecher betonten, wie viele ungezählte Anwendungsmöglichkeiten noch in der Natur schlummern. Für Prof. Ille Gebeshuber ist das völlig klar: „denn jegliches Design in der Natur hat einen Grund, er ist uns oft nur nicht bewusst“. Einer ihrer Schwerpunkte war und ist die Erforschung von Strukturfarben. Der malaysische Ritterschmetterling mit markanter grün/schwarz-Färbung hat kein einziges Farbpigment. Die Farben entstehen alleine durch Lichtbrechung (ähnlich einer schillernden CD). Der Vorteil: solche Farben verblassen nicht und zu ihrer Herstellung benötigt praktisch keine zusätzlichen Rohstoffe. Gebeshuber vertiefter  Einstieg in die Bionik mit einem „ganzheitlichen und nachhaltigen Ansatz“ erfolgte für diese habilitierte Experimentalphysikerin und Nanotechnikerin übrigens ungeplant im Laufe ihres siebenjährigen Aufenthaltes an der Universität in Malaysia mit dem tropischen Regenwald als faszinierendes Forschungsgebiet direkt vor der Haustür.
Prof. Gerold Krischker
 

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